A smooth sea has never made a              skilled Sailor!

Ein Segeltörn vom Ijsselmeer nach Helgoland

Das Meeresungeheuer (Ein Auszug aus meinem Buch Hafentage)

Ich erinnere mich, es war irgendwann in den Achtzigern. Wir hatten unser Christenschiff (ein Boot, so riesig, dass man nur auf Knien gehen kann) verkauft und eine, damals schon zwanzig Jahre alte Contest 30 gekauft. Damit haben wir dann ein paar kleine Wochenendtörns auf dem Ijsselmeer absolviert und freuten uns darüber, dass wir endlich eine Toilette an Bord hatten. Richtig stehen konnte man auch darin! Es war ein tolles Boot! Es kam der Sommer und wir stellten fest, ohne sie zu kennen, Helgoland ist eine schöne Insel!  Da wollten meine Frau und ich unbedingt hin. Unser Heimathafen war Lelystad am Ijsselmeer und wir hatten Urlaub! Zwar nur sechs Wochen, aber besser als nix! Also erst einmal auf nach Aldi und ein bisschen Proviant bunkern. Ich erinnere  mich noch heute, an das dumme Gesicht der Frau an der Kasse, als wir den Inhalt von drei übervollen Einkaufswagen an Ihr vorbei über das Band schoben. Es war irgendwie lustig. Meine Frau meinte dann auch noch zu Ihr, „Ja, mein Mann isst und trinkt wirklich zu viel, Tschüss bis nächste Woche“! Die Frau nickte nur und sagte mit nach oben gedrehten Augen  „Männer!“  Ich möchte hier jetzt nicht darüber streiten, wer später mehr von dem leckeren Port gekostet hat, aber ein Fotoapparat hätte schöne Bilder von uns, mit diesem Einkauf vor dem Auto aufgenommen. Wir hatten nämlich erst gepackt und waren dann Einkaufen gefahren! Schließlich durften wir keine Zeit verschwenden.  Wir haben alles herein bekommen! Ist es eigentlich schlimm, wenn bei einem Automobil die Räder sich oben weit nach innen neigen? Egal! Wir fuhren vom Ruhrpott nach Lelystad! Dumm an dem nagelneuen Hafen war damals, zwischen Hafen und Parkplatz war der Deich! Diesen Berg an Gepäck und Lebensmittel schleppen! Neee! Ich wartete also hinterm Baum mit unserem Auto bis ein Mitarbeiter des Hafens durch die Schranke fuhr. Durch drehende Räder, ach falsch, durch drehende Ehefrau „Das kannst Du doch nicht machen! Die schmeißen uns raus, ich muss aufs Klo, usw.“ und ich war drin! Dann noch schnell sechs! Gepäckwagen organisiert. Ja, mehr waren da leider nicht und mit einem lautstark argumentierenden Hafenmeister im Schlepptau zurück zu meiner, nach Toilettengang, sehr relaxten Ehefrau! Natürlich diesen Hafenmeistergehilfen total ignorierend. Der versuchte mich erst auf Niederländisch, dann auf Deutsch und dann auf Englisch anzusprechen. Als er nicht mehr weiterkonnte, meinte meine Frau zu Ihm, „Par le vouz Fancais?“ und lächelte ihn ganz süß an! Irgendwie tat er mir ja leid, als er dann ganz rot anlief und kopfschüttelnd das Weite suchte, aber ein Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen. Schnell war unser Boot dann auch beladen und wir aus dem Hafen verschwunden. Ideale vier Beaufort (Windstärke) aus West, bliesen uns in knapp sieben Stunden zur Schleuse von Kornwerder Sand, wo wir gemütlich an einem Steg festmachten. Es war eine Woche vor Ferienbeginn, also mussten wir auch nicht im Päckchen (Yachten die aneinander festgebunden am Steg fest machen) liegen. Morgens um acht war Hochwasser, also die Ideale Zeit zum Ablegen! Herrlich ausgeruht nach der hektischen Woche und der zügigen Abfahrt ging es um kurz vor acht durch die Schleuse! Kornwerdersand ist immer spannend. Da gibt es Unterwasserdüsen die das Salz-vom Süßwasser trennen, neuerdings behauptet man auch, dass sie die Robben abhalten sollen. Meiner Meinung nach, dienen sie einzig und allein zur Belustigung der Zuschauer an Land! So mancher hat da schon zu früh abgestoppt und sich in der Schleuse gedreht! Darüber schreibe ich aber ein anderes Mal! Bei diesem Durchgang ging alles gut. Es waren auch nur ein paar Boote in der Schleuse. Aber ein besonders netter Kerl war auch dabei. Er fuhr nach uns und ca. zehn anderen Booten mit einer ziemlich protzigen Segelyacht in die Schleuse ein. Er trug passend zur Yacht eine Kapitänsmütze auf dem Kopf. Dabei machte er eine ziemliche Welle, überholte noch in der Schleusenkammer alle und legte sich an die erste Stelle, vorne vors Schleusentor. Sehr viele liebevolle Blicke von den Anderen folgten Ihm! Das dabei Segler, beim befestigen ihrer Boote, in Gefahr kamen oder durch seine Wellen klatsch Nass wurden, war ihm wohl ziemlich egal!  Der Schleusenwärter hatte das gesehen und nahm meiner Frau eine Leine ab. Dabei schüttelte er den Kopf. Irgendwie sah ich auch ein bedrohlich funkelndes Lächeln in seinen Augen. Dann gingen die Schleusentore auf. Unser Herr Kapitän Protz gab, wie schon erwartet, richtig Gas. Dabei wirbelte er die direkt hinter Ihm befindlichen Boote schon etwas durcheinander, aber die Skipper hatten wohl damit gerechnet und hielten Abstand. Woran Kapitän Protz aber wohl nicht gedacht hatte, hinter der Schleuse kommt noch eine, für Segler zu niedrige Drehbrücke. Normalerweise öffnet der Schleusenwärter diese so, dass die Schiffe gemütlich in einem Rutsch durchfahren können. Kapitän Protz kommt mit Schmackes an und denkt: ´Sie geht auf,… Sie geht auf,… Sie geht jetzt auf, …SIE GEHT NICHT AUF!!!!!!‚ und muss den Rückwärtsgang einlegen und Vollgas geben. Vorwärts lassen sich Yachten nun einmal einfacher steuern als Rückwärts, Strömung gab es auch noch und bis die Yacht zum stehen kam, hatte sie sich um 180 Grad gedreht. Mittlerweile kamen wir mit den Anderen aus der Schleuse an. Die Brücke öffnete sich so, dass wir gemütlich alle an Herrn Kapitän vorbei defilierten. Natürlich mit dem, Ihm zustehenden Applaus und schallendem Gelächter. Der weitere Trip Richtung Vlieland war dann einfach nur schön. Nach drei Meilen Gegenwind, konnten wir bei herrlichem Westwind die Segel setzen und genüsslich durch das Wattenmeer schippern. Zu dem Zeitpunkt noch eine große Wasserfläche. Bis hinter das  Wantij, einem Wattenhoch, steuerten wir noch per Hand dann kam Johann zum Einsatz, unsere elektrische Selbststeueranlage! Ich saß gemütlich, mit meinem Fernglas in der Hand in einer Ecke und hakte die Bojen auf der Karte ab. Meine Frau las ein Buch. So gegen Mittag kochte sie uns ein leckeres Süppchen und wir machten uns schwerwiegende Gedanken ob Lichtschutzfaktor acht oder besser zehn angemessen wäre. Heute diskutieren wir über dreißig oder vierzig! Ab und zu flogen ein paar Düsenjäger im Tiefflug über uns, das musste aber so sein und ist heute auch immer noch so! Das Schießgebiet der Nato, für diese äußerst dezenten und ganz leisen Jets (das ist Sarkasmus) liegt im Vogelschutzgebiet bei Vlieland. Zum Ausgleich hat man dort aber die, die Vögel störenden Segelbote ausgesperrt (das ist kein Sarkasmus sondern Realität). Mittlerweile war der Wasserstand gefallen und einige kleine Sandbänke wurden zu kleinen Inseln, auf denen sich vereinzelt Robben sonnten. Das Argument:  „ich bin der Skipper, ich muss Ausschau halten“, zog bei meiner Frau nicht. Sie nahm mir das Fernglas weg und ich musste spülen! Im Seegatt zwischen Vlieland und Terschelling bekam ich es dann doch zurück. Dort stand eine ca. zwei Meter hohe Welle und Fernglasgucken war da nicht besonders schön. Auch wollte Johann eine Ablösung. Kaum waren wir dann in der Landabdeckung Vlielands war der Spuk auch schon vorbei. Nur die Strömung lief jetzt gegen uns. Wir entschieden uns die Segel herunter zu nehmen und mit dem Motor die letzte Meile zurückzulegen. Die Einfahrt in den Hafen Ost-Vlieland (der Einzige) war noch einmal spannend. Durch die Strömung des ablaufenden Wassers muss der Steuermann so tun, als ob er vorbei will und schräg versetzt auf die Einfahrt zu fahren. In dem Moment, wo das Schiff in der ab gedeichten Einfahrt ist, heißt es sofort gegensteuern und Gas wegnehmen! Wir bekamen einen schönen Liegeplatz und machten fest. Vlielands Hafen halb leer, ja Leute, das könnt Ihr heute auch noch erleben! Weihnachten oder so! Eine Woche später, in den Sommerferien war es damals aber auch schon voll! Nach dem ersten gemütlichen Willkommensbier in der Plicht machten wir uns landfein und marschierten in den, etwa einen Kilometer entfernten Ort. Direkt am Ortseingang gibt es, auf der rechten Seite, ein fantastisches und gemütliche Fischlokal! Scholle und Seezunge, sowie ein herrlich frischer Chardonnay hebten die Stimmung tatsächlich noch mehr. Um diese ein wenig zu drücken, bestellte ich, als meine Frau einmal die Nase pudern ging noch schnell zwei `Mousse au Chocolat´ und zwei oude Genever zum hinunter Spülen. Was soll ich sagen, hat nichts genutzt! Die gute Laune blieb und nach langer, fast dreißig sekündiger Diskussion entschieden wir, den kommenden Tag zu bleiben und erst einen Tag später aufzubrechen! Zurück im Hafen nahmen wir auf einer Bank Platz, die ein netter Mensch extra so aufstellte, dass man sowohl die einlaufenden Yachten(für Papa) als auch den Sonnenuntergang (für ?) beobachten konnte. Nach einer Viertelstunde gucken, lästern, kuscheln gingen wir dann an Bord und im tiefsten Schlund unserer Bilge fand doch tatsächlich die beste Ehefrau von allen (das hat Loriot mir garantiert geklaut) eine Flasche Chardonnay! Ich schlief am nächsten Morgen bis elf! Am nächsten Tag sollte es los gehen, über die Nordsee direkt nach Helgoland. Nachdem ich meine Navigationsaufgaben gemacht hatte stellte ich fest, dass wir am besten zwischen ein und zwei Uhr nachts los müssten! Also um achtzehn Uhr ab in die Haia, schlecht schlafen, aufgeregt sein, und um zwölf feststellen, dass jetzt sowieso das ablaufende Wasser uns schon herauszieht auf die weite dunkle Nordsee! Egal, wir haben doch schon das Ijsselmeer bezwungen! Da kann uns diese Nordsee auch nichts anhaben, dachten wir. Also Leinen los, eingepackt in Jeans und Turnschuhen aber mit Rettungsweste und Lifebelt (ein Seil, welches den Träger mit dem Boot verbindet und ein Überbordgehen nicht ganz so tragisch enden lässt)! Kaum heraus aus dem Hafen wurde es schon dunkler, aber als wir aus dem Seegatt heraus auf der freien Nordsee waren war es richtig dunkel! Wir entschieden uns jenseits der zwanzig Meter Tiefenlinie zu segeln also ca. fünf bis zehn Seemeilen vor den Inseln. Nachdem unsere Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, stellten wir fest, dass wir in einer ganz neuen Welt waren. Der Himmel war ein, mit tausenden von Sternen übersätes Firmament. Jeder Stern funkelte wie ein Diamant. Die Milchstraße gibt es wirklich, aber wir haben sie dort zum ersten Mal richtig gesehen. Wir entdeckten dauernd neue fantastische Sachen. Das einzige Geräusch war das Rauschen des Wassers um unseren Rumpf. Die Wellen waren flach und lang, sobald wir im tieferen Wasser waren. Hinter uns sah es aus, als ob wir mit einem Speedboat das Wasser durchschnitten. Backbord und Steuerbord liefen leuchtende Streifen, wie die Kondensstreifen eines Jets am Rumpf entlang und verloren sich im Kielwasser. Das Plankton war fluoreszierend. In weiter Ferne sahen wir an Backbord ab und an die Positionslichter der großen Schiffe an Steuerbord war es dunkel, selten unterbrochen vom schwachen Schein eines sehr weit entfernten Leuchtturms. Mittlerweile war es auch schon kalt und feucht geworden, aber schlafen wollte keiner von uns beiden! Dick eingekuschelt im Segeloverall und Decken lagen wir auf den Cockpitbänken und staunten. Johann, der Autopilot, verrichtete seinen Dienst. So gegen vier Uhr morgens konnten wir voraus schon ein leichtes Schimmern hintern Horizont sehen und nur knapp eine Dreiviertelstunde später segelten wir in einen herrlichen Sonnenaufgang hinein. Der folgende Tag war einfach nur schön! Wir lagen in der Sonne, lasen Bücher und holten abwechselnd unseren versäumten Schlaf nach. Zwischendurch gab es Brote, Kekse und Schokoriegel. Und Kaffee! Immer war eine Kanne Kaffee bereit. Als die nächste Nacht hereinbrach, waren wir schon viel entspannter als Tags zuvor. Die Sonne ging in unserem Rücken unter und veranstaltete dabei ein solches Schauspiel, das jede Beschreibung einfach zum Scheitern verurteilt. Sie berührte den Horizont und schickte einen gleißenden roten Strahl über das Meer bis zu uns. Als Sie hinter dem Horizont verschwand, war es vor uns schon tiefste Nacht. Hinter uns war der Himmel immer noch mit einem leichten hellen und orange-rotem Licht verzaubert, vor uns Schwarz! Tiefstes Schwarz! Auf diesem tiefschwarzen Hintergrund waren die Sterne, glitzernd  wie Diamanten, in solch einer Menge vorhanden, die schier überwältigend war. Auf der Milchstraße erwartete man jeden Moment einen goldenen Wagen mit einer Zauberin entlang fahren zu sehen. Der Zauberstab schleudert neue Sterne, deren Glitzer sich in der See wiederspiegelt. Der Wind hatte etwas nachgelassen und wir glitten mit ca. vier Knoten übers Meer. Es war ein Gefühl des Schwebens. Der Atem, durch das stetige Auf und Ab der Wasseroberfläche reflektiert, hatte eine nahezu hypnotische Wirkung. Als die Sonne dann gänzlich verschwunden war und uns nur noch Nacht umgab, hinterließen wir wieder diesen fluoreszierenden Streifen im klaren Wasser der unseren Weg markierte.

 

Die Fortsetzung findet Ihr in meinem Buch Hafentage, erhältlich bei Amazon als Buch und auch als e-Book. ISBN: 978-1500349967

© Uwe Honnef

 

 

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"Schau zur Sonne

  und nicht ins

  olle Mausloch!"

  Graf Luckner

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